Frauengesundheit

Endometriose – die unsichtbare und rätselhafte Krankheit in unserem Frauenkörper!

Elke Piskaty4 comments13007 views

 

„Hach, ist doch normal jeden Monat bei der Periode Schmerzen zu haben…..“ Wie oft hört man diesen Satz und wie viele Frauen geben sich Monat für Monat, oder oft schon täglich damit zufrieden und versuchen zu lernen mit den Schmerzen umzugehen oder betäuben sich mit starken Medikamenten.

Viele bunte Tabletten auf einem Löffel. Symbolfoto für Tablettensucht und Mißbrauch von Medikamenten.

Liebe Frauen, kennt ihr die vor oder während der Periode auftretenden Bauchschmerzen bzw. Bauchkrämpfe, Abgeschlagenheit, Energielosigkeit, erschöpft zu sein, Rückenschmerzen, Watte in den Beinen, ein ziehen in der Leiste, Kopfweh bis hin zu Migräne, Schwindel vielleicht auch ein unangenehmes frieren von innen heraus, etc. zu verspüren und Du vielleicht aufgrund dessen von der Arbeit fernbleiben musst? Hast Du starke bis hin zu sehr starken oder unregelmäßige Blutungen? Alle 4 Wochen quälst Du Dich mit Schmerzen herum, die Monat für Monat stärker werden, sich vielleicht auch verändern und das schon über einen längeren Zeitraum? Findest Du Dich, in einem Symptom bis vielleicht in mehreren Symptomen wieder? Du warst deswegen schon beim Frauenarzt, läufst von Arzt zu Arzt, aber es konnte nichts festgestellt werden, da organisch alles in Ordnung sei.

Das große Tabu muss gebrochen werden

In unserer Gesellschaft wird zu wenig bis gar nicht über Menstruationsschmerzen gesprochen, weil es zu oft noch ein Tabuthema ist. Es ist unangemessen, oft auch unangenehm oder es wird heruntergespielt, da es ja ganz normal ist Schmerzen zu haben, von Frauen selbst sowie auch von Müttern und viel zu oft von Frauenärzten, die zu wenig Ahnung haben, weil Sie damit nicht vertraut sind und somit wegschauen und falsch diagnostizieren und den Frauen oft zu verstehen geben, dass man eine niedrige Schmerztoleranz hat, dass Schmerzen legitim seien und normale Menstruationsschmerzen vorübergehen sind, und es wohl möglich ein psychisches Problem sei.

Mädchen sowie Frauen, die an starken Regelschmerzen leiden, sollten sich damit nicht abspeisen lassen! Schmerz ist ein Alarmsystem unseres Körpers, das unseren Körper schützen soll! Jede Frau verdient es wahrgenommen zu werden, ebenso Aufmerksamkeit zu bekommen, wie bei allen anderen Schmerzen auch, die man an einer anderen Stelle des Körpers verspüren kann.

Wenn es Dir auch so geht, Du Dich darin wiederfindest, dann leidest Du vielleicht auch, sowie viele Frauen, an der noch zu unbekannten Krankheit „Endometriose“.

Wahrscheinlich hörst Du das Wort „Endometriose“ das erste Mal und Du denkst Dir „was ist das? Noch nie davon gehört!“ und Du weißt mit dem Begriff nichts anzufangen. Ich möchte Dir dabei helfen, die Krankheit kennenzulernen, um mehr Klarheit zu bekommen.

Was ist Endometriose?

Bei Endometriose handelt es sich um eine, oft Jahre unentdeckte aber gemeine, gynäkologische chronische Krankheit, die je nach Lage erhebliche Schmerzen und Leiden verursachen kann. Sie beginnt schleichend und unbemerkt. Dabei handelt es sich um schmerzhafte Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) außerhalb der Gebärmutterhöhle. Das heißt, dass sich gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe während der Menstruation außerhalb der Gebärmutterhöhle in den Bauchraum ansiedelt sowie auch an anderen Körperstellen außerhalb der Bauchhöhle.

Die Endometrioseherde außerhalb der Gebärmutter verhalten sich identisch, wie die Zellen im Inneren der Gebärmutter und werden von Hormonen gesteuert. Das heißt, durch Östrogen- Hormoneinfluss baut sich die Schleimhaut auf, wächst und blutet während der Periode Monat für Monat neu und blutet dann auch wieder ab. Aber das Blut kann nicht so einfach abfließen und somit blutet das Schleimhaut-Gewebe (Endometrium) in den Bauchraum bzw. direkt in das umliegende Gewebe, und das führt zu Entzündungsreaktionen des Körpers, wovon die heftigen Schmerzen während der Periode, aber auch zu anderen Zeiten unabhängig von der Menstruation, entstehen und bis zur Bewusstlosigkeit führen können. Meistens brauchen die Frauen krampflösende starke Schmerzmittel.

Die Endometrioseherde werden in den meisten Fällen von den weiblichen Hormonen, besonders den Östrogenen, beeinflusst. Sie wachsen und bluten somit jeden Monat neu und lösen die Schmerzen aus. Um dieses Gewebe, was sich an den falschen Stellen befindet wegzubekommen, löst der Körper Entzündungsreaktionen aus, die aber wiederum ein Milieu schafften, in dem die Endometrioseherde wieder gut gedeihen können. Somit findet eine permanente Entzündungsreaktion statt. Dadurch werden im umliegenden Gewebe Prozesse ausgelöst, die später zu Vernarbungen, Zysten, Verwachsungen (es wächst zusammen, was nicht zusammen gehört) führen. Dies verändert auf Dauer das gesamte Milieu des Bauchraumes nachhaltig.

Endometriose wird häufig als unsichtbares Chamäleon bezeichnet, weil sie nicht sichtbar und so unberechenbar ist. Sie kann etliche verschiedene Beschwerdebilder hervorrufen, die Frau zu Frau unterschiedlich sein können und da besteht die Problematik, da oft erst nach Jahren die Diagnose gestellt wird.

Die Größe und Menge der Endoherde hängt nicht davon ab, wie stark die Schmerzen sind.

Es gibt auch Frauen die keine Schmerzen haben, bei denen wird die Endometriose erst meist dann festgestellt, wenn sie vergeblich versuchen schwanger zu werden. Etwa die Hälfte der Frauen leiden unter ungewollter Kinderlosigkeit.

Yellow ribbon for Endometriosis

An welchen Stellen kann sich die Endometriose ansiedeln?

Besonders häufig siedelt sie sich rund um die Eileiter und rund um die Eierstöcke an sowie am Bauchfell und an anderen Bereichen, wie der Bauchhöhle, Blase, Harnleiter, an den Haltebändern der Gebärmutter, Eileiter und Eierstöcke, Scheidenwand, im Douglasraum (einer Vertiefung hinter der Gebärmutter, dem tiefsten Punkt im Bauchraum und an den Darmwänden. In einigen Fällen dringt das Endometriosegewebe sogar in andere Organe über, wie z.B. Lunge, Zwerchfell oder das Gehirn.

Welche Schmerzen lösen Endometriose aus?

 Die Schmerzsymptome können so vielfältig sein. Sie zeigen sich nicht nur auf der körperlichen Ebene, sondern können auch Einfluss auf das seelische Empfinden haben. Auf beiden Ebenen kann die Krankheit tiefe Einschnitte hinterlassen. Jedoch muss Schmerz unterschieden werden. Die klassischen Schmerzsymptome während der Menstruation, zu denen „normalen“ Beschwerden während der Menstruation zählen, empfindet jeder anders. Auch wird von jedem Menschen Schmerz anders wahrgenommen. Deshalb ist es schwierig zu unterscheiden.

Ein Hinweis auf Endometriose ist dann gegeben, wenn sich die Zunahme der Schmerzen vermehren und verändern und die Schmerzzustände auch zu anderen Zeiten auftreten.

Pain in a woman's body on gray background. Collage of several photos

Anzeichen dafür können sein:

  • Schmerzhafte Monatsblutung
  • Unperiodische Schmerzen
  • Schmerzen im unteren Rücken
  • Bauchkrämpfe
  • Schmerzen während und/oder nach dem Geschlechtsverkehr
  • Schmerzen im Becken- und Lendenwirbelbereich
  • Rückenschmerzen im Lendenwirbelbereich
  • Ziehen oder Watte in den Beinen
  • Ziehen in der Leiste
  • Magen-/Darmbeschwerden
  • Schmerzen beim Wasserlassen/Stuhlgang
  • Schlaflosigkeit
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • Kopfweh/Migräneattacken
  • Unregelmäßiger Zyklus
  • Wassereinlagerungen
  • Schilddrüsenerkrankungen (Unterfunktion oder Hashimoto)
  • Depressionen
  • Allergien
  • Brustschmerzen
  • Erbrechen
  • Lustlosigkeit/Müdigkeit/Abgeschlagenheit /Energieverlust
  • Extreme Reizbarkeit
  • Hüftschmerzen
  • Schulterschmerzen (ziehen in der Schulter)
  • Nierenschmerzen
  • aufgeblähter Bauch

Diese aufgelisteten Symptome sind die Häufigsten, die ich von Frauen am meisten zu hören bekommen habe. Die Bandbreite schwankt stark von nur einem Symptom bis hin zu mehren Symptomen und diese können sich auch ständig ändern. Viele Frauen beschreiben, z.B. die Krämpfe als wehenartig und man hört und liest immer wieder, dass die Wehen mit einer Geburt vergleichbar wären. Wenn diese verschiedenen Symptome sehr gehäuft auftreten, dann bleibt für viele Frauen keine beschwerdefreie Zeit mehr übrig.

Die Endometriose geht oft einher mit einer Schilddrüsenunterfunktion oder einer Hashimoto, da die Eigenschaft des Östrogens, interaktiv mit der Schilddrüse wirkt.

Wird Endometriose in der heutigen Zeit zur modernen, unsichtbaren Frauen-Volkskrankheit?

Endoemtriose ist die am häufigsten missverstandene Krankheit in der heutigen Welt. Es wird geschätzt, dass mehr als 176 Millionen Frauen weltweit an der Krankheit leiden. Die Zahl steigt kontinuierlich an. Trotz der großen Zahl an Frauen, die an dieser Krankheit leiden, haben nur wenige davon gehört. Endometriose ist in der Gesellschaft eher unbekannt, aber zum Glück ändert sich das allmählich, wenn auch nur sehr langsam. Ca. 7– 15% aller Frauen, zwischen der ersten Regelblutung und den Wechseljahren, sind davon betroffen.

Die Endometriose tritt üblicherweise zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf. Nur selten davor oder danach. Klassisch ist, dass es etwas 1 Jahr nach absetzten der Pille aufgrund eines Kinderwunsches zu einer Zunahme der Schmerzen kommt. Diese Meinung vertritt allerdings die Schulmedizin. Jedoch sieht die Realität oft anders aus und es sind sowohl Mädchen ab der Pubertät betroffen sowie auch Frauen, wo die Endo erst ab dem 40 Lebensjahr auftritt.

Genauso geht der Mythos umher, dass wenn man ein Kind geboren hat, man dann keine Endometriose mehr bekommen kann. Aus Erfahrungsberichten von Frauen selbst, kommt es sowohl immer wieder vor, dass die Endo nach einer Schwangerschaft wieder zurückkehren kann, oder auch erst nach einer Schwangerschaft die Endometriose auftritt.

Wie man sieht, gehen die Meinungen auseinander und das Beste ist sich mit betroffenen Frauen auszutauschen, denn für die Mediziner ist die Krankheit immer noch ein rätselhaftes, geschlossenes Buch. Bisher weiß kein Experte genau, warum die Gebärmutterschleimhaut überhaupt dort wächst, wo sie nicht sein sollte und wo sie nichts zu suchen hat.

Somit ist Endometriose neben Myomen die häufigste gutartige gynäkologische Frauenkrankheit in der Neuzeit. In den USA sind ca. 10 Millionen Frauen, in Deutschland ca. 3 Millionen und in Österreich etwa 300.000 Frauen betroffen, mit einer hohen Dunkelziffer. Bis zu ca. 40.000 Neuerkrankungen pro Jahr sind sehr häufig, das sind ebenso viele Frauen, wie an Brustkrebs jährlich erkranken. Die Dunkelziffer ist sehr groß, da Endometriose nur mit einer Bauchspiegelung diagnostiziert werden kann. Daher vergehen oft vom Auftreten der ersten Symptome bis zur Diagnosestellung im Durchschnitt bis zu 6 Jahre und bei Schmerzpatienten dauert es oft noch viel länger. Dadurch ist für die Frauen das Leiden und das Unverständnis, was durch Unwissenheit hervorgerufen wird, ein fester Bestandteil in ihrem Leben und sie werden von einem Arzt zum nächsten geschickt. Leider können die Herde auch nach einer Entfernung/Sanierung wieder auftauchen. Das einzig Gute ist: Es hört tatsächlich mit den Wechseljahren auf, weil dann nicht mehr so viele Östrogene gebildet werden.

 

In meinem nächsten Artikel erfahrt Ihr welche Anlaufstellen, Selbsthilfegruppen und Foren es gibt, in denen Ihr Euch unter Gleichgesinnten austauschen könnt und wo Ihr in Deutschland und Österreich Spezialisten findet. Auch werde ich Euch erzählen, wie man die Krankheit auf eine ganzheitliche natürliche Weise behandeln kann, und werde dabei auch den Unterschied zur klassischen Schulmedizin aufzeigen, die mit Medikamenten, Hormonpräparaten, vorzeitigen Wechsel und der ganzen Palette an Medikamentencocktails versucht die Endo sowie auch die Schmerzen zu unterdrücken.

Woman ornate silhouette sitting in lotus pose. Meditation, aura and chakras. Vector illustration.

 

Elke Piskaty
schreibt hier über nachhaltigen, biologischen und gesundem Lebensstil ohne Convenience Food, Industriezucker, Auszugsmehl, usw. Sie unterstützt Frauen, die an Menstruationsbeschwerden und Endometriose leiden bei der Ernährung, um ihre Gesundheit zu verbessern/aufrecht zu erhalten und ein besseres Körpergefühl zu erlangen.

4 Comments

  1. Liebe Elke,

    ein toller und sehr gut zusammengefasster Artikel. Ich habe das Gefühl, dass viele Frauen sich fragen, ob sie evtl. betroffen sind, leider gibt es zu wenig Frauenärzte, die wirklich gut informiert sind und hilfreich handeln.
    Ich selbst habe meine Ernährung sofort nach der Diagnose auf vegan umgestellt, da es für mich der einzige sinnvolle Schritt ist, ohne sich mit Medikamenten vollzupumpen. Auf meiner Website teile ich hierzu meinen Weg…
    Vielen Dank, dass du diese Infos geteilt hast – hoffentlich hilft es vielen betroffenen Frauen.
    Liebe Grüße
    Ramona

    1. Liebe Ramona! Danke für die Blumen – freut mich sehr! Die Schulmedizin ist viel zu oft eine Symptomenmedizin, wo nicht die Ursache behoben wird. Sie schalten nur die Warnblinkanlage aus und wir lassen die Pharmaindustrie hochleben. Wir sollten mehr Frauen zu einem Umdenken bewegen und daher freut es mich umso mehr das auch du deinen veganen Weg gehst und einen Blog dazu hast. Je mehr Frauen wir sind und an die Öffentlichkeit gehen, umso mehr können wir bewegen! Alles Liebe Elke

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